Donnerstag, 5. Juni 2014

'poetic justice'

"Den Vorwurf, die deutschen Medien würden die Digitalisierung verschlafen, kann ich wirklich nicht mehr hören." meint der von mir sehr geehrte Herr Schirrmacher (FAZ) am Schluss eines sehr ausführlichen Interviews in Horizont.net.
Ich erinnere mich noch sehr gut, wie "die deutschen Medien" feixten und noch nachtraten, als es der Musikindustrie vor etwa einem Jahrzehnt wegen dieser "Digitalisierung" an den Kragen ging. "Die deutschen Medien" haben damals der arg gebeutelten Musikindustrie in höhnischen & natürlich meist auch ahnungsbefreiten Artikeln vorgeworfen, dass sie "die Digitalisierung verschlafen" (!) hat. Und nun sind sie selbst dran, die deutschen Medien. Wegen der Digitalisierung und der Kostenlos'kultur' im Netz. Mein Mitleid hält sich in Grenzen. ... Achwas: ich tanze auf ihren Gräbern!

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Mittwoch, 23. Januar 2013

Faulty Fawlty

SZ Online schreibt gerade was über Zensur bei der Neuausstrahlung der berühmten (!) Serie aus der Mitte der siebziger Jahre: Fawlty Towers (von & mit John Cleese).
Für uns doofe Deutsche erklärt die SZ dann kurz die Hauptrollen in der Serie: "Es geht um die überforderten Hotelbesitzer Basil Fawlty und seine Frau Sybil, den Kellner Manuel, der kaum Englisch spricht, das hilfsbereite Zimmermädchen Polly und Bürgermeister Gowen, der Dauergast im Hotel ist."
Ich stutzte. Bürgermeister? Welcher Bürgermeister? Da gibt's keinen Bürgermeister als Dauergast.
Hätte die SZ-Hinschreiberin die Sendung mal gesehen, wüßte sie: es gibt als Dauergast einen etwas vertrottelten "Major Gowen" und dieser pensionierte Offizier (auch im Deutschen ein "Major") redet sogar manchmal militärischen Kokolores. Bürgermeister ("Mayor") war und ist er allerdings nicht (und wird natürlich weder im Original noch in der deutschen Version so genannt).

PS, viel später: Ich seh' gerade, die Autorin hat stillschweigend - also ohne Erklärung oder Entschuldigung - den eigenartigen "Bürgermeister" aus ihrem Artikel rausgenommen,

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Donnerstag, 18. Oktober 2012

"Schäuble macht Europa spannend"

...und erfreulicherweise machen die bisherigen Leser-Kommentare zu diesem ZEIT ONLINE-Artikel deutlich, dass das nun gar nicht geht: Wenn schon ein Mode-Adjektiv wie "spannend" benutzt wird, dann pfeift das Konstrukt "Europa" wirklich auf dem letzten Loch.

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Freitag, 4. Mai 2012

Manche lernen's nie

Gerade las ich einen Artikel und wieder mal ging's über die Musikindustrie; verfasst von einem jungen österreichischen(?) "Professor für Kulturwirtschaft" ...ich hab' nachgeschaut: die "Kulturwirtschaft" fehlt noch in Eckhard Henscheids löblicher Sammlung "Alle 756 Kulturen. Eine Bilanz" (signierte Erstauflage 2001 bei Zweitausendeins, Frankfurt).
Sicher ein ehrenwerter Mann, der Professor. Doch:
Ich wusste sehr schnell wo's lang geht, denn bereits im ersten Satz setzte er Plattenfirma und Musikverlag gleich; der klassische Fehler unbedarfter Außenstehender, immer wieder und - wie man hier leider sieht - immer noch. Ich hörte sofort auf, weiterzulesen. Die Kommentare unter dem Artikel bestätigten dann meinen ersten Eindruck.
Hier meine Kommentare dazu, mit kurzen Zitaten aus dem Artikel oder aus den Leserkommentaren:
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... hm ...
Vielleicht sollte man solch' Artikel lieber einen Praktiker schreiben lassen. Denn schon der Anfang ist falsch: "fünf große Plattenkonzerne samt ihrer Musikverlage".
Zum hundertsten Male: Plattenfirmen und Musikverlage sind zwei völlig verschiedene Dinge, juristisch und auch sonst arbeiten sie völlig unabhängig voneinander.
Nur ein Beispiel, immerhin die BEATLES: Die Plattenfirma (der Band) war die E.M.I. - der Musikverlag (der Komponisten Lennon/McCartney wie auch Harrison und Ringo) war Northern Songs Ltd. und der hatte nix mit der EMI zu tun, sondern gehörte damals Lennon, McCartney, Brian Epstein und Dick James.
Beim ersten BEATLES-Album (bei EMI) waren sechs der Titel von anderen Komponisten/Textern - und die waren natürlich bei ganz anderen (wahrscheinlich sechs verschiedenen) Verlagen verlegt, die alle nix mit der EMI....
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... noch so einer ...
"... Und natürlich die GEMA. Aber das ist ein anderes Trauerspiel."
Trauerspiel? Vielleicht wissen Sie's nicht: Die GEMA ist in Deutschland der Zusammenschluss und die sehr notwendige Inkassostelle fast aller Komponisten und Musik-Texter, für eben alle diese Komponisten und Texter, ...die übrigens von diesen Einnahmen für die Benutzung ihrer Musik leben (müssen).
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... es hört nicht auf ...
"auch wenn er sein Urheberrecht abgeben muss"
Das geht nicht. Und MUSS schon gar nicht. Und das KANN er qua Gesetz überhaupt nicht. Was der Urheber (teuer oder weniger teuer, für eine bestimmte Zeit) 'abgeben' kann sind die Nutzungsrechte. (Falls Sie überhaupt den "Urheber" meinen und nicht den Interpreten, ...der wiederum ganz andere Rechte hat).
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... ich gebe auf ...
Disclosure: ich bin seit 42 Jahren im Musikgeschäft, an allen Fronten (unten, oben, Macher, Benutzter: Roadie, Tourleiter, Veranstalter, Plattenfirmenchef, Verleger, Produzent, Platin-Album, Freund von Musikern...) und verzweifel' inzwischen, was Presseartikel über das Musikgeschäft angeht: diese fast immer (nicht immer!) deprimierende Ahnungslosigkeit...
Woher sollen es dann die Leser (siehe manch' klägliche Kommentare unter solch' Artikeln) besser wissen?

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Donnerstag, 12. April 2012

Willi Winkler irrt sich das erste Mal (ist aber nicht sein Fehler)

Weil Willi Winkler heute in der SZ - fett gedruckt - schreibt, auf die Informationen des berühmten "Munzinger Archivs" wäre "bis heute Verlass", hab ich in diesem Archiv mal nach KS gesucht und auch was gefunden: man bekommt Online nur die ersten paar Sätze zu sehen, aber bereits dort fand ich zwei inhaltliche Fehler (und ich Depp war kaum besser, ich schrieb im SZ-Kommentar dazu "Hunzinger" mit H!).
Disclosure: Ich mochte die Artikel vom Willi Winkler grundsätzlich schon immer - und heute immer noch. Nicht nur wegen seiner sehr notwendigen Überschrift im März 2003 in der SZ: "Diederichsen, halt den Sabbel!". Leider hält er ihn nicht und sich nicht an den Befehl, der D.D.
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Bei der Munzinger(mit M)-Suche fiel mir etwas ein und auf: ich habe noch nie meinen eigenen Namen gegugelt. Und auch noch nie den meines beruflichen Partners seit fast 40 Jahren.
A propos Google. Ich benutze das nicht mehr, ich nehme "Bing" - da wird man nicht verfolgt, nicht gespeichert und nicht einsortiert; kurz: nicht verraten und verkauft.

PS, viel später, nachdem die Schweinerei mit der NSA rauskam: Nicht "Bing", ich nehm' "Ixquick".

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Dienstag, 3. April 2012

Es ist schon komisch

Die gleichen Gazetten, die bisher regelmäßig Plattenfirmen mit Musikverlagen velwechserten (und vice versa), die also Null Ahnung haben, schreiben nun über das pöse Urheberrecht.

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Donnerstag, 7. Juli 2011

"It's not journalism. You have no interest. It's just money, money, money."

The charming actor Hugh Grant put professional journalists to shame. Here. And a little film is here.
It's about the bloody Murdoch press. And their criminal normal methods.

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Montag, 27. Juni 2011

Blöd & Spon als Leitmedien & der Rest der Johurnaille folgt willig

»Der Wettbewerb um die Gunst der Konsumenten zwingt die privatwirtschaftlichen Medien, alles zu unterlassen, was die Instinkte und Vorurteile der Leser, Hörer und Seher stören könnte. Ja, um gar kein Risiko zu laufen, müssen sie immer noch ein Stück tiefer ansetzen. Axel Springer sieht das schon ganz richtig: Wer in diesem Business Erfolg haben will, darf nicht belehren, aufklären, fragen – er muß unterhalten, bestätigen, verdummen.«
Hermann L. Gremliza, in: "Betrug dankend erhalten", Konkret Literatur Verlag, Hamburg 1983. Also vor fast 30 Jahren. Gilt leider heute immer noch und immer mehr. Siehe aktuell auch hier.

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Mittwoch, 15. Juni 2011

You don't need a weatherman to know which way the wind blows

Muss ich jetzt doch noch ernsthaft Französisch lernen?
In Frankreich gibt's eine Internet-Zeitung, die funktioniert: MEDIAPART. Sie hat Erfolg und sie lebt tatsächlich nur von den Abonnenten, die sie lesen wollen, für 90 € per anno. Dort geht also das prima, was in Deutschland nicht funktioniert. Jedenfalls nicht so, wie die deutschen Verleger es wollen und (noch) tun. Und vor allem: MEDIAPART ist ganz ohne Reklame. Und sie ist gut, denn sie ist so, wie man sich guten Journalismus vorstellt. Und wünscht. (Die gute Qualität bestätigt jedenfalls die SZ, ich kann ja leider nicht gut genug Französisch).
Diese französische MEDIAPART-Online-Zeitung scheint sich an Karl Kraus zu orientieren? Dass Reklame in der Zeitung was Übles ist, hat KK bereits vor 100 Jahren erkannt.
Ich glaube, auch heute wollen gute Journalisten mit Reklame nix zu tun haben; sie lieben die Sprache und sie wollen aufklären, jedenfalls die Guten, nicht Korrumpierbaren. Und ich glaube, es gibt sie. Immer noch. Menschen werden ja nicht korrupt und als Lügner geboren.
Nur, Journalisten (und Leser) haben sich so stark an die Reklame gewöhnt, dass sie ihnen als selbstverständlich vorkommt, quasi als von Gott gegeben: ohne geht es nicht.
Nun sieht man, es geht. (Auch der "Le Canard enchaîné", ebenfalls im Nachbarland, ist ganz ohne Reklame und floriert; allerdings als Satirezeitung und im Internet hat er nur eine kleine Seite, die zum Abonnement der Papierausgabe aufruft).
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Man glaubt es kaum, weil man's nicht gewohnt ist: Reklame ist nicht notwendig. Nicht mal im Internet. Und wenn man mal nüchtern drüber nachdenkt: sie ist NIE notwendig, sie ist nur lästig, verlogen und sie verschandelt unsere Welt, sie macht unseren Gesichtskreis nur knallbunt, aber nicht farbig.

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Samstag, 21. Mai 2011

D**fe erste Sätze, Teil I

Bob Dylan hat in ein paar Tagen wieder mal Geburtstag und das ehemalige Nachrichtenmagazin schreibt dazu einen denkwürdigen ersten Satz:
"Geboren wurde er als Robert Allen Zimmerman - doch das war ihm egal."

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