Samstag, 6. Februar 2010

Jeder Pups ist heute "spannend"

Das offizielle Unwort des Jahres war anno 2009: Betriebsratverseucht. Hm, wollte man niemandem weh tun? Denn solch' Wort benutzt doch niemand. Da hab ich viel bessere Funde gedankenamputierter Metaphorik oder Dummschwätze. Meine kleine Auswahl an "Unworten" aus letzter Zeit:
- verorten
- sich aufstellen
...und in jedem Feuilleton, in jedem Radiobericht und natürlich auch in jeder CD-Vorstellung-Anpreisung im Radio mindestens einmal:
- spannend. Es ersetzt offensichtlich das "geil" & "fett" zuvor, das "cool" davor und das "dufte" meiner Kindheit.

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Mehr von dem Unsinn:
- Zeitfenster
- ein Stück weit... (copyright: B. Engholm?)
- nicht wirklich
- Live-Konzert
- Verschlagwortung (und als Verb:) verschlagworten

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Live-Konzert
Ich habe in der letzten Zeit leider in der EM, auch von bekannten Musikern, zu viele Konzerte gesehen, wo mehr Playback als live gespielt wurde.
Ein sehr bekannte Band aus Berlin von Herrn E.F. spielt bis auf etwas Getrommel und Gitarren und vielleicht ab und zu etwas Saxophon eigentlich nur noch Playback.
In sofern kann das Wort "Live-Konzert" klar stellen, dass bei diesem als Konzert bezeichneten Veranstaltung es sich wirklich um ein Konzert im klassischen Sinne handelte.
Früher war noch jedes Konzert "live". Heute in der deutschen EM Szene leider nur sehr wenige. Und dank der Playback-Möglichkeiten von Roland-Mischpulten oder Keyboards mit eingebauten mp3 Abspielern, sieht man nicht wie früher was tatsächlich gemacht wird.
Schade auch, dass KS leider trotz der riesigen Wand hinter sich, die meisten Sequenzen im Laptop hat. Gut die Hälfte der Geräte in der Wand hinter ihm sind nicht benutzt. Teilweise sogar ausgeschaltet (z.B. Döpfer MAQ16). Auch hier ist der Show-Wert anscheinend größer als der Konzert-Wert.
Trotz der immer besseren Technik (Speichermöglichkeiten!), wird leider immer weniger wirklich live gespielt. Die meisten Konzerte sind nur noch Shows.
Ich gehe nur noch auf Konzerten von Musikern, von denen ich weiß, dass sie wirklich live spielen. Also echte Live-Konzerte.

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Live
Zitat: Früher war noch jedes Konzert "live".

Nein, denn das wäre mit Elektronik gar nicht möglich gewesen oder nur reduziert. Da hat man sich früher halt mit Bandzuspielungen geholfen.
So gesehen ist heute sogar mehr "live" möglich, durch die modernen Sequencer. Sofern man das Spiel mit editierbaren Sequencern als live bezeichnen will.
Wenn Du aber wirklich mal Elektronik hören willst, bei der wirklich alles "live" ist, d.h. es weder Sequencer noch Laptops gibt, sondern alles über die Tastaturen gespielt wird, geh mal in ein Konzert von Werni & Jendreiko.
Habe ich neulich noch in Aachen veranstaltet und es war sehr gut. Darüber hinaus wird die Musik auch noch in Echtzeit quadrophonisch in den Raum projiziert, während die meisten ja nur von vorne, also der Bühne aus beschallen und die Klänge auch nur statisch im Stereopanorama verteilen, aber nicht bewegen.

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qwave & markus: Bei diesem Beitrag geht's nur um Aufbläh- und Angeber-Sprache, nicht aber um lebendige Musiker. Und: Die Geschichte der Musik ist weitaus älter & länger als Eure Erinnerungen und Lebenszeit. In weit mehr als 90% dieser Musikgeschichte geschah Musik IMMER justament, durch präsente Musiker.

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hicks!
Was hör' & seh' ich in den Nachrichten um 20:10? Eine FDP-Dame plappert mit seriös gemeinter Miene ins "Tagesschau"-Mikrophon, die Partei werde sich nun "breiter aufstellen."

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Weiter geht's. Speziell in Blog-Kommentaren findet man immer mehr solch Äußerungen:

- Armes Deutschland!
- "my 2 cent"

Zu empfehlen ist ein Buch, falls es das noch gibt: "In 80 Phrasen um die Welt" von Wiglaf Droste mit Zeichnungen von Rattelschneck (Edition Nautilus).

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Auch hier ist reichlich Journalisten-Poesie gesammelt:
http://www.umblaetterer.de/category/regionalzeitung/
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Allen Ernstes:
Gerade wieder, im Kulturradio, da wird eine Berliner "Künstlerin", die sogar schon mal in London war (äh, wer nicht?) und ihre, natürlich: "Installationen" mit hochtrabenden Worten vorgestellt. Nun gut, eben der übliche Unsinn, den man schnell wieder vergessen kann. Dann, in der Absage, die Radiomoderatorin: "Das klingt hochspannend."
HOCHspannend sogar? Hatte sie dem 01:30-Beitrag nicht zugehört? Nicht mitbekommen, was die "Künstlerin" macht? Schlicht dies: Sie zieht alte kaputte Nylonstrümpfe über Holzbalken. Was ist daran, bitteschön, "spannend"? Ich finde das eher doof und dem-üblichen-Quatsch-nachrennend ...und zudem nur langweilig. Höchstens vielleicht noch lustig, dass & weil die Kulturszene solch' Kinkerlitzchen immer noch toternst nimmt.
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Tja, ist schon schlimm mit dieser entarteten Kunst.
Leider war man da in den 30ern nicht gründlich genug, oder?

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"markus berzborn": ich bitte Dich letztmalig, hier nicht - nie wieder - zu kommentieren. Du begreifst leider nie, um was es geht.
Alle noch eventuell doch noch kommenden Kommentare von Dir werden gelöscht.

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