Dienstag, 28. August 2012

Erstaunlich gut.

Gestern zufällig im Schaufenster entdeckt und gleich gekauft: das neue Büchlein (190 Seiten) vom Wladimir Kaminer: "Onkel Wanja kommt".
Hab's heute Nacht in drei Stunden ausgelesen und war überrascht: erstaunlich gut. Hat Kaminer einen neuen Lektor? (Obwohl: mit dem "Flipperautomat an der Wand" meint Kaminer wohl ein Geldspielautomat; ein "Flipper" dreht keine Zahlen und spuckt auch kein Geld aus).
Nach den sechzehn Kaminer-Büchern, die hier im Regal stehen und deren kurze Kapitel alle recht leicht und locker daherkommen, ist dies das erste Buch, das neben dem von ihm natürlich zu erwarteteten Humor mehr bietet. Viel mehr. Anstelle der bisherigen, "nur" amüsanten, jugendlichen Frechheiten entdeckt man im "Onkel Wanja" einen erwachsenen, nachdenklichen, reifen Kaminer, ja, tatsächlich: einen Literaten. Aber keine Angst, als Onkel Wanjas Begleiter ist K. nie dröge, nie langweilig. Vielleicht auch deshalb der sofort an Tschechow erinnernde Buchtitel?
Hoffentlich entdeckt das "seriöse" Fäuleton ihn jetzt nicht, sondern läßt ihn weiterhin in Ruhe sein Ding machen.
Der Roman (Untertitel: "Eine Reise durch die Nacht") ist zum Glück nicht das, was ich befürchtet hatte: Kaminer führt dem Onkel keineswegs all' die ach so urigen Berliner Ecken, Straßen, Sehenswürdigkeiten und Typen vor. Nein, Onkels Besuch ist nur Anlaß... doch lest selbst. Es macht Spaß.