Donnerstag, 10. Januar 2013

Seine Pfeife tönt, aber niemand will tanzen.
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Aus einem älteren THE KS CIRCLE:
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Früher hatte ich ab und zu mit Amateuren zu tun, die ihre "Kunst" weit überschätzten; mit Wochenend-Musikern, die TD oder KS nacheiferten, manchmal ganz nett - mehr war da aber nicht. Und oft genug musste ich mir dann anhören: "Alle berühmten Künstler wurden zu Lebzeiten unterschätzt" ...und damit meinte der unbekannte Musiker natürlich immer und vor allem sich selbst. Und er lag natürlich kunstgeschichtlich voll daneben.

    Oft - in den achtziger Jahren jedenfalls - hab ich über diese Amateure und ihr meist belangloses und manchmal aufdringliches Tun (sie wollten, dass wir sie produzieren, veröffentlichen, berühmt machen), gestöhnt und auch geschrieben ...und mir dabei einen gewissen Ruf als Amateur-Musiker-Hasser zugezogen. Natürlich habe ich sie nicht "gehasst", denn privat waren sie ja meist ganz angenehme Menschen; aber ich hatte einen realistischeren Blick (als sie) und geübte Ohren. Ich habe denen immer geraten: Wenn's Dir Freude bereitet, mach weiter mit deiner Musik, aber natürlich! immer nur zu! Und zwar privat, als Amateur, aber doch nicht als Beruf, denn dazu gehört viel mehr. Einem oder zwei dieser Amateure habe ich auch weitergeholfen; große Namen sind aus denen auch nicht geworden, aber innerhalb einer kleinen Gemeinde haben sie durchaus noch einen Namen.
Es gibt selbstverständlich auch seriöse Untersuchungen über den "Beruf: Künstler". Die NZZ berichtete zum Beispiel am 27. Februar 2010 von einer wissenschaftliche Untersuchung des Themas:
    » Es gibt heute mehr Künstler denn je. Rund 99 Prozent aller Kunstschulabsolventen aber werden sich nie einen Namen auf dem Kunstmarkt machen – geschweige denn in der Kunstgeschichte. ...
    Zum Beispiel: In Berlin leben 78 Prozent der Berufskünstler unter der Armutsgrenze. Es fällt auf, dass die Mehrheit dieser 'armen Künstler' ihr Schicksal annehmen und es als gegeben ansehen. Ihnen fehlt fast völlig die Fähigkeit zur Analyse, zur rigorosen Bestandsaufnahme bezüglich der eigenen Situation. Im Grunde leben sie in der sich rasant verändernden Welt immer noch das Künstlerideal des 19. Jahrhunderts. Und peinlich und unwürdig sind die Träume von Künstlern, wenn sie dann mit 50 oder sogar 60 Jahren immer noch an ihren Durchbruch zum Star glauben. Sie klammern sich an die Van-Gogh-Legende: zu Lebzeiten ökonomisch gescheitert, postum ein Meilenstein der Kunstgeschichte. ...
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    Vielleicht fehlt manchem "Künstler" auch die Einsicht in seine begrenzten Fähigkeiten, vielleicht hat mancher den Zeitpunkt für einen rechtzeitigen Ausstieg und einen Berufswechsel verpasst, weil er sich zu lange am Van-Gogh-Mythos festgehalten hat. «

(Sagte ich's nicht schon immer?! Und ich bin kein Wissenschaftler. Die Überschrift ist übrigens von Friedrich Nietzsche)

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